Münsterland Giro: 122 Kilometer zwischen Vollgas, Sturzgefahr und mentaler Stärke

Münsterland Giro: 122 Kilometer zwischen Vollgas, Sturzgefahr und mentaler Stärke

Perfektes Wetter, fast 2.000 Männer, etwas über 100 Frauen und 122 Kilometer auf dem Rad. Die Voraussetzungen für den Münsterland Giro hätten kaum besser sein können. Bei strahlendem Sonnenschein, 21 Grad und nahezu Windstille ging ich zum Saisonfinale auf die Strecke des Leezen Cups.

Die Tage vor dem Rennen waren allerdings nicht optimal verlaufen. Ich fühlte mich etwas angeschlagen und stand deshalb mit gemischten Gefühlen und ohne große Erwartungen an der Startlinie.

Wenn die Schaltung kurz vor dem Start streikt

Die erste Aufregung ließ nicht lange auf sich warten. Obwohl ich am Vortag alles kontrolliert hatte und die Anzeige eine volle Batterie auswies, funktionierte kurz vor dem Start ein Schalthebel nicht mehr. Die rund sechs Kilometer zum Start musste ich im höchsten Gang zurücklegen, was mit einem lockeren Einfahren wenig zu tun hatte.

Zum Glück hatte ich eine passende Batterie dabei, eigentlich für meinen Pulsgurt gedacht. Nach dem Tausch funktionierte die Schaltung wieder, und ich konnte mich auf das Rennen konzentrieren.

Mein Learning: Nimm bei einem Rennen alle benötigten Ersatzbatterien mit, auch wenn die Anzeige am Vortag noch „voll“ meldet.

Von Münster direkt ins Renntempo

Die Stimmung am Start in Münster war großartig. Zunächst ging es neutralisiert und in entspanntem Tempo aus der Stadt hinaus. Sobald das Rennen freigegeben wurde, wurde wie erwartet ordentlich Gas gegeben.

Ich musste mich anfangs immer wieder daran erinnern, mich nicht vom hohen Tempo mitreißen zu lassen. Die Beine fühlten sich gut an, die Gruppe fuhr schnell und man möchte in den ersten Kilometern keinen Anschluss verlieren. Ich wusste aber: 122 Kilometer sind lang, und die Reserven werden später noch gebraucht.

Die flache Strecke führt dazu, dass sich zu Beginn sehr große Gruppen bilden, die ein enorm hohes Tempo fahren. Das macht die ersten Kilometer zu einem der kritischsten Abschnitte des Rennens. Nach nur zehn Kilometern kam es denn auch zum ersten größeren Massensturz. Ich hatte Glück und kam knapp daran vorbei. Der Schock saß zunächst tief, doch nach einigen Kilometern fand ich in meinen Rhythmus zurück.

Gemeinsam die Kilometer abspulen

Der weitere Rennverlauf war deutlich ruhiger und gleichmäßiger. Besonders positiv fiel mir die Stimmung in den Gruppen auf. Die Kommunikation funktionierte sehr gut, man warnte sich vor Gefahren und half sich, Lücken zu schließen. Bei so großen Gruppen ist das enorm wichtig, denn man fährt nicht für sich allein, sondern ist darauf angewiesen, dass die Gruppe gut funktioniert.

Die kurzen Anstiege zogen die großen Gruppen immer wieder auseinander. Teilweise war ich nur noch mit einer Handvoll Fahrern unterwegs. Das war spannend, machte die Strecke aber zunehmend zäh.

Ab Kilometer 70 war der Kopf gefragt

Etwa ab Kilometer 70 waren nicht mehr nur die Beine gefordert, sondern zunehmend auch der Kopf. Die Strecke ist relativ flach und wenig abwechslungsreich. Wer über viele Kilometer im gleichen Rhythmus fährt, ermüdet irgendwann vor allem mental.

Hier zählte mentale Belastbarkeit. Den Rhythmus halten, einfach weiterfahren und nicht zu viel darüber nachdenken, wie viele Kilometer noch vor einem liegen. Im letzten Drittel gelang es mir, zu einer größeren Gruppe aufzuschließen. Das war genau das, was ich brauchte, mehr Windschatten, ein gemeinsamer Rhythmus und eine Chance, mich für die letzten Kilometer noch einmal zu erholen.

Die letzten 10 Kilometer: noch einmal alles geben

Für die letzten zehn Kilometer konnte ich noch einmal einen Gang zulegen. Die Taktik ging für mich auf. Die Kräfte einteilen, nicht zu früh überziehen und am Ende noch einmal richtig Gas geben.

Nach 122 Kilometern erreichte ich das Ziel mit einer Fahrzeit von 3:28 Stunden und blieb damit unter der Marke von dreieinhalb Stunden. Für mich als Triathletin und angesichts der Vorzeichen bin ich mit diesem Ergebnis sehr zufrieden.

Mein Fazit

Ein Rennen läuft nicht immer so, wie man es sich vorher vorstellt. Manchmal startet man mit Fragezeichen, muss improvisieren und sich mental durch schwierige Phasen kämpfen, und steht am Ende trotzdem mit einem guten Gefühl im Ziel.

Sportliche Grüße,
Marieke

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