Höhenmeter, Einsatz, Hitze: Unser Trainingslager im Ötztal

Höhenmeter, Berge, Hitze: Unser Trainingslager im Ötztal

Eine Woche Ötztal, ein Ziel vor Augen, der Ötztaler Radmarathon. Unser Trainingslager in Zwieselstein war unser spezifisches Vorbereitungsangebot für alle, die sich dieser Königsdisziplin im August stellen wollen. Wir schauen uns die Strecke genau an, fahren die entscheidenden Teilabschnitte gemeinsam ab und geben ganz konkrete, streckenspezifische Tipps mit, von der richtigen Linie in der Abfahrt bis zum passenden Pacing am Berg.

Timmelsjoch-Auffahrt von ital. Seite
Laktattest zur Bestimmung der Leistungsbereiche.
Zeit zum Austausch, hier im Bergdorf Niederthai.

Freitag: Ankommen und Eingrooven

Start in Zwieselstein mit einer lockeren Einrollrunde ins Ventertal. Die Strecke genießen, sich einrollen, sich als Gruppe kennenlernen, das war der perfekte Auftakt. Abends dann das erste gemeinsame Essen im Hotel Neue Post mit Pasta oder Kartoffeln, ganz bewusst, um für den nächsten Tag vorbereitet zu sein.

Samstag unser erster Anstieg: Kühtai

Die erste Etappe führte Richtung Kühtai, dem ersten Anstieg beim Ötztaler. Besonderes Augenmerk lag auf der technischen Abfahrt von Sölden nach Ötz mit Verkehrsinseln, Kreisverkehre, die richtige Linie finden, alles einmal live mit der Gruppe durchgespielt, weil diese Abfahrt beim Ötzi eben schnell und tückisch ist. Danach ging’s hinauf nach Kühtai, vorbei an den Haflingern bei Ochsengarten, durch den steilen Schlussabschnitt, der ordentlich in die Beine ging – und oben auf 2.020 Metern eine grandiose Aussicht bei bestem Wetter.

Sonntag erstmals nach Italien: Timmelsjoch und Passeiertal

Erste Fahrt über die Grenze von der österreichischen Seite über das Timmelsjoch, schnelle Abfahrt nach Moos im Passeiertal, Trinkflaschen auffüllen, dann weiter ins kleine, wunderschöne Seitental nach Pfelders, das war steil, abwechslungsreich, hat stark ans Ventertal erinnert. Nach einer Stärkung in Moos (Apfelstrudel mit Vanilleeis) ging es erstmals auf einem Teilstück der Original-Ötzi-Strecke das Timmelsjoch hoch. Kurz vor Schönau zog ein Unwetter auf, ein Teil der Gruppe wartete den Regen bei Kaffee ab, der Rest zog knallhart durch, bei rund 12 bis 13 Grad eine echte Charakterprobe. Am Tunnel dann der Wetterumschwung: deutlich wärmer, trockenere Straßen auf der österreichischen Seite und wichtig für eine sichere Abfahrt.

Starke Aussicht oberhalb von Ötz.
Pause am Kühtai. Klaus-Peter genießt die Sonne.

Montag: Diagnostiktag am Timmelsjoch

Noch einmal ging’s aufs Timmelsjoch, diesmal mit Fokus auf die Leistungsdiagnostik. Auf 2.509 Metern haben wir eine Laktatdiagnostik in der Höhe durchgeführt, um Laktatverhalten und höhenbedingten Leistungsabbau der Athletinnen und Athleten zu erfassen. Über 30 Testungen in 30 bis 45 Minuten waren ein intensiver, aber für uns als Sportwissenschaftler besonders spannender Tag. Die Ergebnisse flossen direkt in konkrete Pacing-Empfehlungen für die kommenden Tage ein, damit jeder im richtigen Laktatbereich unterwegs ist und weder zu verhalten noch zu hart am Berg fährt. Belohnung danach, es gab ein Kaiserschmarrn im Hotel Post in Vent, in einer Portion, die es wirklich in sich hatte.

Dienstag: Ruhetag

Bewusste Pause vor der Königsetappe. Eine Wanderung nach Sölden, ein bisschen “Stadtluft” schnuppern, für einige ging’s mit der Seilbahn hinauf, um Höhenluft zu bekommen. Früh ins Bett, die Vorfreude auf den nächsten Tag war spürbar.

Laktattest am Timmelsjoch auf 2509m.
Schnelle Anfahrt nach Vent zum Kaiserschmarrn.

Mittwoch: Die Königsetappe

Der Tag mit allem, was das Ötztal zu bieten hat, von Zwieselstein über das Timmelsjoch (österreichische Seite), hinunter Richtung Moos, dann der Abzweig ins wunderschöne Bergdorf Stuls mit Blick ins Passeiertal und zum Jaufenpass. Über eine Querverbindung ging es weitere rund 1.000 Höhenmeter hinauf zum Jaufenpass. In glühender Mittagshitze, jede Quelle unterwegs war eine willkommene Abkühlung. Nach einer rasanten, kurvenreichen Abfahrt und einem Stopp in St. Leonhard (Linzer Schnitten, Gummibärchen, eine Cola als Belohnung) ging’s zurück in den Anstieg zum Timmelsjoch. Die letzten elf Kilometer von Schönau aus waren wie immer ein richtiges Brett. Ein zufälliges Wiedersehen mit unserem Athleten Andi am Brunnen in St. Leonhard war eines der schönen unverhofften Highlights des Tages. Die Gruppe zerlief zunehmend, jeder fuhr sein eigenes Tempo und am Ende aber haben alle die Königsetappe durchgezogen. Abends gab Pizza und Bananensplit als verdiente Belohnung für den Intensiven Tag.

Donnerstag: Übergangstag Richtung Talausgang

Die Beine noch schwer von der Königsetappe, ging es Richtung Umhausen (bekannt für den höchsten Wasserfall Tirols) und hinauf ins abgelegene Bergdorf Niederthai – rund 600 Höhenmeter auf steiler Straße, dafür aber belohnt mit Ruhe und einem perfekten Trainingsrevier. Nach der rasanten Abfahrt ging’s weiter über Längenfeld zum Anstieg nach Gries und noch einmal rund 400 Höhenmeter, ein fordernder, aber kein komplett erholsamer Tag.

Freitag: Das Pitztal

Das letzte noch unbefahrene Tal stand auf dem Programm: flach hinaus Richtung Ötz, über Sautens und den Wald nach Jerzens, dazu der vom Imster Radmarathon bekannte Anstieg. Nach einem Stopp in Jerzens ging’s über die Rudi-Bachmann-Hängebrücke zurück Richtung Ötztal und von dort das lange Tal wieder hinauf bis Zwieselstein.

Samstag: Große Abschlussrunde zur Gletscherstraße

Zum Abschluss durfte jeder wählen: noch einmal Kühtai, die Südtiroler Seite oder die Herausforderung schlechthin, die Gletscherstraße zum Rettenbachgletscher, mit knapp 2.800 Metern der höchste Straßenpunkt Europas. Auf nur 12 Kilometern rund 1.400 Höhenmeter, vorbei an der Mautstation, hinein in eine völlig andere Welt aus Fels und Eis, spürbar kälter und nach einer intensiven Trainingswoche noch einmal ein echter Härtetest für die Beine. Andere nutzten den letzten Tag für einen Abstecher nach Hochsölden oder bis zur Mautstation bzw. hinauf zum Timmelsjoch.

Am Samstagabend gemeinsames Abschlussessen, dann hieß es Abschied nehmen, die einen brachen noch in der Nacht auf, andere trafen sich am Sonntagmorgen noch zum gemeinsamen Frühstück, bevor jeder seine Heimreise antrat.

 

Arbeitsgruppe Gletscherstraßer am Ziel.
Zufriedene Guides am Jaufenpass.

 

Die Woche im Überblick

TagZiel / StreckekmHöhenmeter
FreitagEinrollrunde nach Vent29 km614 Hm
SamstagKühtai (1. Ötzi-Anstieg)109 km2.205 Hm
SonntagSüdtirol & Pfelders103 km3.765 Hm
MontagLaktattest am Timmelsjoch65 km1.844 Hm
DienstagRuhetag – Wanderung nach Sölden8,3 km
Mittwoch👑 Königsetappe: Timmelsjoch – Jaufenpass – Timmelsjoch130 km4.697 Hm
DonnerstagNiederthai & Gries83 km1.741 Hm
FreitagPitztal121 km2.036 Hm
SamstagAbschlussrunde zum Rettenbachgletscher32 km1.559 Hm

Gesamt: 680,3 km und 18.461 Höhenmeter in einer Woche!

Eine Woche voller Höhenmeter, harter Trainingseinheiten, aber auch voller schöner Momente, gutem Essen und dem intensiven Austausch in der Gruppe, die perfekte Generalprobe für den Ötztaler Radmarathon Ende August.


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