Badlands 2025 – Mein härtestes Abenteuer auf dem Rad
Mit 816 km und 15.000 Höhenmetern zählt das Badlands Gravel Race zu den härtesten Ultra-Endurance-Rennen der Welt. Nicht allein die nackten Zahlen machen es brutal – auch die Bedingungen: tagsüber über 40°C in Andalusien, nachts einstellige Temperaturen. Dazu kommt, dass der Großteil der Strecke über unbefestigte Schotterpisten führt. Asphalt? Absolute Ausnahme. Ein echtes Gravel-Abenteuer.
Wie ich zu Badlands kam
Wir kennen es alle: Die Winter auf der Rolle sind lang. Genau dort, beim Stöbern auf YouTube, bin ich erstmals auf Videos vom Badlands Ultra-Gravel-Rennen gestoßen. Sofort war ich gefesselt: Die Landschaft, die Geschichte, die Härte dieses Events. Also begann ich zu recherchieren:
– Wo kann ich mich anmelden?
– Welche Voraussetzungen gibt es?
– Welches Setup wäre das richtige?
Der Bewerbungszeitraum 2023/24 war zwar schon vorbei, aber die Idee war geboren. Ich sammelte erste Erfahrungen bei Ultra-Rennen wie dem Race Across Germany und im Herbst 2024 öffnete dann endlich die Plattform für Badlands 2025.
Doch gleich der erste Rückschlag: Ich wurde nicht ausgewählt. Bei über 2.000 Bewerbungen für nur 350 Startplätze ist das Rennen extrem exklusiv. Doch im April kam die erlösende Nachricht – ein Platz wurde frei, ich rückte nach. Dafür gab ich sogar meinen Ötzi-Startplatz ab. Denn Badlands war mehr als ein Rennen – es war ein Traum.
Vorbereitung als Athlet und Coach
Als Trainer weiß ich, wie wichtig eine strukturierte Vorbereitung ist – vor allem für Ultra-Ausdauer-Rennen. Daher plante ich mein Jahr gezielt:
- Ein Ultra-Rennen in den Schweizer Alpen als Härtetest
- Trainingslager im Ötztal mit Belastung in der Höhe
- Feinabstimmung von Setup, Ernährung und Schlafstrategie
Diese Erfahrungen wollte ich nicht nur als Athlet sammeln sondern auch, um mein Wissen in der Betreuung meiner Athleten weiterzugeben. Denn genau diese Learnings machen Training praxisnah und realistisch.
Der Start in Granada – mein erstes Gravel-Rennen
Am 31. August 2025 stand ich früh morgens in Granada am Start. Mein erstes Gravel-Rennen überhaupt. Nervös, voller Respekt, aber bereit. Unter mir: ein Cube Nuroad C:62, mein Partner für die kommenden Tage.
Der erste Anstieg hatte es sofort in sich: 1.000 Höhenmeter auf 16 km. Die Sonne brannte, die Beine brannten und schon früh fragte ich mich: Was tue ich mir hier eigentlich an?
Die Hitze in der Gorafe-Wüste, Krämpfe, kaum feste Nahrung, Badlands war von Beginn an ein Kampf. Doch aufgeben? Keine Option.
Nächte in der Wüste – Stille, Flow und Gefahr
Die erste Nacht im Sattel war surreal: Stille, nur das Knirschen meiner Reifen im Sand. Kaum andere Fahrer, nur ich, die Dunkelheit und meine Gedanken. Plötzlich wilde Hunde, die mich attackieren wollten, das war ein richtiger Schreckmoment. Doch ich kam durch. Und dann: der Sonnenaufgang über der Wüste. Ein unvergesslicher Moment, der alles Leiden relativierte.
Begegnungen und mentale Kämpfe
Das Feld war still, jeder mit sich beschäftigt. Doch die Locals in Andalusien waren das Gegenteil. Sie waren herzlich, hilfsbereit, voller Energie. Kleine Gesten die mir Kraft gaben.
Schlaf wurde zur Strategiefrage. Nach über 34 Stunden im Sattel musste ich mir ein Hotel nehmen, kurz schlafen, essen, regenerieren. Dann ging es weiter Richtung Almería, ans Meer, und wieder bergauf. Die letzten 220 km mit 5.000 Höhenmetern waren ein brutales Finale.
Mein Setup – minimalistisch, aber mit Reserven
- Bike: Cube Nuroad C:62 Race
- Schaltung: Shimano GRX Di2 1×12 (42z – 10/51z)
- Laufräder & Reifen: Zipp mit 50 mm Schwalbe G-One R Pro, tubeless
Ausstattung: Rahmentaschen, Auflieger, „Arschrakete“ für Gepäck
Das Material hielt, bis auf einen kaputten Reißverschluss. Ich selbst war wohl etwas überpackt, aber lieber zu vorsichtig als zu riskant.
Das Ziel – 59 Stunden später
Der letzte Anstieg nach Quéntar: über 20 % Steigung, nach fast 59 Stunden im Sattel. Jeder Meter tat weh. Aber mein Wille war stärker als der Schmerz. Und dann: die Abfahrt nach Granada, die letzten Kilometer am Bach entlang und das Ziel.
Kein Triumph im klassischen Sinne, sondern eine Befreiung. Ich hatte nicht nur die Strecke bezwungen – sondern die Hitze, die Müdigkeit, die Zweifel.
Fazit – Warum Badlands mehr ist als ein Rennen
Badlands ist nicht einfach ein Ultra-Rennen. Es ist eine Prüfung von Körper und Geist. Ich habe gelernt, meine Grenzen neu zu definieren – und genau das gebe ich auch als Coach weiter. Denn die Erfahrungen auf der Strecke helfen mir, Athleten realistische Strategien für extreme Belastungen mitzugeben: Ernährung unter Hitze, mentale Stärke bei Schlafmangel, effektives Pacing.
Für mich war Badlands das härteste Abenteuer meines Lebens – und ein Schatz an Erfahrung, den ich in mein Coaching einfließen lassen kann.
Sportliche Grüße,
Sebastian